Der Pfalzturn ist ein moderner Aussichtsturm im Pfälzerwald, der durch seine beeindruckende Architektur und die Verwendung von Holz besticht. Menschen genießen die Aussicht von der Plattform.
Quelle: FLEX/HTWK Leipzig

2026-02-23T12:07:43.290Z HTWK-Forschungsgruppe FLEX beim Internationalen Forum Holzbau in Paris

HTWK-Forschungsgruppe FLEX präsentiert mit Partnern innovative Lösungen im Bereich des digitalen Bauens (25.-27.02.2026): Ein 3,5 Meter hoher und begehbarer Turmausschnitt bildet den Mittelpunkt des imposanten Messestandes beim 15. Internationalen Forum Holzbau im prestigeträchtigen Grand Palais in Paris. International bekannt ist das Forum Holzbau in Paris unter dem Namen „Forum International Bois Construction (FBC)“.

Präsentiert wird der Messestand federführend vom t-lab im Fachbereich Architektur der Rheinland-Pfälzisch Technischen Universität (TU) Kaiserslautern-Landau in Zusammenarbeit mit dem Laserinstitut der Hochschule Mittweida und der Forschungsgruppe FLEX der HTWK Leipzig. Die Forschenden geben damit Einblicke in das Projekt „Pfalzturm“, das durch innovative Konstruktionswerkstoffe und reversible Verbindungselemente besticht. Passend zum Thema der Messe: „Biologisch basiertes Bauen und Design in ganz Europa“.

„Die Teilnahme am Internationalen Forum Holzbau in Paris ist etwas ganz besonderes, weil die Forschungsgruppe FLEX nach mehr als zehn Jahren intensiver Forschung und organisatorischer Aufbauarbeit damit in der Elite der europäischen Holzbau-Forschung angekommen ist“.

Prof. Dr.-Ing. Alexander Stahr, Professor für Tragwerkslehre an der HTWK Leipzig.

Projekt „Pfalzturm“: Acetyliertes Buchenfurnierschichtholz und 3D-gedruckte Edelstahlknoten

Zwei Handwerker arbeiten an einer Holzbaukonstruktion in einer Werkstatt.
Quelle: t-lab Holzarchitektur und Holzwerkstoffe, RPTU

Der Pfalzturm ist aktuell noch eine Vision: Schon sehr bald jedoch soll die 41 Meter hohe, rotationssymmetrische Landmarke mit Wendeltreppe und vier Podestebenen Realität werden und einzigartige Ausblicke über den Pfälzer Wald ermöglichen, so die HTWK. In Paris präsentiert das Projektteam nunmehr das raumprägendste Teil des Bauwerks – die Turmspitze – im Maßstab 1:2.

Erstmals weltweit: Aacetyliertes Buchenfurnierschichtholz im Einsatz für die Stäbe

Eine Nahaufnahme einer Holztischplatte mit sichtbarem Kantenfurnier, das die Maserung des Holzes zeigt.
Quelle: t-lab Holzarchitektur und Holzwerkstoffe, RPTU

Das ambitionierte Konstruktionskonzept beinhaltet zwei bautechnische Innovationen. Zum Einen kommt für die Stäbe – erstmals weltweit – acetyliertes Buchenfurnierschichtholz zum Einsatz. Der vom Forschungsbereich t-lab mit Industrie-Partnern neu entwickelte Holzwerkstoff ist so fest wie heimische Buche und kann dauerhaft im Außenbereich eingesetzt werden. Durch die Acetylierung wird das Holz resistent gegen holz-zerstörende Pilze, bleibt formstabil und behält seine Festigkeit – unabhängig von Witterungsbedingungen – und das ohne giftige Zusätze und damit vollständig recycelbar. Bisher waren solche Aussichtstürme zumeist aus Stahl oder Beton. Der neuartige Werkstoff eröffnet darüber hinaus zahlreiche neue Möglichkeiten zur Anwendung von Massivholz im Außenbereich.

3D-gedruckte Edelstahlknoten

Eine innovative Konstruktion aus Holz und Beton in einem modernen Gebäude.
Quelle: t-lab Holzarchitektur und Holzwerkstoffe, RPTU

Die filigrane Struktur der doppelt gekrümmten Gitterschale des Pfalzturms wird durch 3D-gedruckte Edelstahlknoten gefügt. Entwickelt wurde die innere Stützstruktur und das 3D-Druckverfahren für die Edelstahlkoten vom Laserinstitut der Hochschule Mittweida in Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe FLEX der HTWK Leipzig. Die beiden Partner haben im Transferverbund Saxony5 seit 2018 an einem digital basierten Technologiekonzept für großformatigen 3D-Druck in Stahl geforscht und damit Pionierarbeit geleistet.

Was ist das Besondere an den Stahl-Knotenelementen?

Das Besondere an den individuellen Knotenelementen aus Stahl ist einerseits das am Laserinstitut Hochschule Mittweida entwickelte „Makro-SLM“-Fertigungsverfahren, welches auf dem Prinzip des „Selektive-Laser-Melting (SLM)“ basiert und die Stückkosten um bis zu 90 Prozent reduzieren kann. Der Schlüssel dafür ist ein generatives Knotendesign, welches die Form der Verbindungselemente aus der Geometrie der angeschlossenen Stäbe entwickelt und eine Füllstruktur aus „Endlos-Flächen“ generiert, die Kontinuität im Druckprozess ermöglicht.

„Dass die 3D-gedrukten Elemente nicht nur für den Stahlbau interessant sind, sondern auch Optionen für den Holzbau beinhalten, zeigt das Projekt Pfalzturm eindrucksvoll“, sagt Stahr. 

Materialinnovation und tektonische Präzision

Die Forschenden aus Kaiserslautern, Mittweida und Leipzig wollen in Paris sowohl zeigen, wie sie einerseits mit Herausforderungen im Holzbau hinsichtlich Nachhaltigkeit umgehen und andererseits welche Möglichkeiten die automatisierte Fertigung im 3D-Druck-Bereich bietet. „Beides vereint das Projekt Pfalzturm und stellt damit eine große Innovation dar: Durch die Verbindung von Materialinnovation und tektonischer Präzision im Bereich moderner digitaler Planungsprozesse mit präziser Vorfertigung eröffnen sich auch für den Holzbau neue Horizonte“, so Marius Zwigart, stellvertretender Leiter der HTWK-Forschungsgruppe FLEX.

zuletzt editiert am 23. Februar 2026